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Novel Food: Innovation trifft Regulierung

Neue Lebensmittel benötigen nicht nur Forschung, sondern auch geeignete regulatorische Rahmenbedingungen. Zu diesem Ergebnis ist der PIONEER‑Cluster „Novel Food“ gekommen. An der digitalen Fachveranstaltung nahmen 27 Expertinnen und Experten teil, die zentrale Fragestellungen rund um die Entwicklung neuartiger Lebensmittel diskutierten. Ziel des Workshops war es, Anforderungen, Bedarfe und mögliche Ausgestaltungsformen zu identifizieren, um künftige Innovationsprozesse fachgerecht und regulatorisch belastbar zu unterstützen. Die Veranstaltung war die zweite Cluster‑Session zum Schwerpunkt Novel Food. In Kürze folgen die zweiten Cluster-Veranstaltungen zu den Themen Öffentlichkeitsarbeit und Verbraucherakzeptanz. PIONEER bietet als Netzwerk für alternative Proteinquellen in der Humanernährung den idealen Rahmen, um fachlichen Austausch zu fördern, Synergien zu schaffen und gemeinsam neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Die Europäische Kommission hat im Juli 2025 ihre Strategie für die europäischen Life Sciences vorgelegt, gefolgt vom Entwurf des European Biotech Act im Dezember 2025. Beide Initiativen zielen darauf ab, Innovationspfade zu verbessern, Beratungsprozesse zu stärken und Marktzugänge effizienter zu gestalten.

Für die Lebensmittelbranche ist dies insbesondere deshalb relevant, weil der Vorschlag vorsieht, die wissenschaftliche Beratung bei der EFSA auszubauen und Anforderungen an Studien früher im Entwicklungsprozess zu klären. Dies stellt einen wichtigen Aspekt für Pioniere in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit dar. 

Gleichzeitig bleibt der Bereich „Novel Food“ weiterhin durch ein strenges Zulassungsverfahren geprägt: Neuartige Lebensmittel dürfen erst nach umfassender Sicherheitsbewertung und formaler Genehmigung auf den Markt gebracht werden. Zudem sieht der aktuelle Gesetzesentwurf grundsätzlich regulatorische Sandboxes, also kontrollierte Experimentierräume, vor, schließt Novel Food jedoch explizit davon aus. Diese Situation unterstreicht die Notwendigkeit, innovative Testumgebungen, wie Reallabore, fachlich und regulatorisch präzise auszugestalten.

Reallabore im Spannungsfeld von Innovation und Regulierung

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Dr. Tilman Reinhardt (Universität Bayreuth) die Grundlagen, Chancen und Grenzen von Reallaboren. Der Vortrag bot eine systematische Einordnung des Instruments aus wissenschaftlicher und regulatorischer Sicht und diente als fachliche Grundlage für den anschließenden Workshop.

Im anschließenden Workshop arbeiteten Teilnehmende aus Projekten, Wissenschaft und Praxis gemeinsam an der Erhebung zentraler Bedarfe und Anforderungen an ein mögliches Reallabor für Novel Food-Entwicklungen. Diskutiert wurden unter anderem:

  • Forschungsbedarfe wie frühe sensorische Bewertungen, Akzeptanztests und sicherheitsrelevante Fragestellungen
  • regulatorische Hürden auf nationaler und europäischer Ebene
  • wissenschaftliche als auch behördliche Anforderungen für potenzielle Reallabore im Bereich Novel Food

Die Impulse aus der Diskussion bieten nun Ansätze, um Handlungsmöglichkeiten im PIONEER- Netzwerk und zukünftige Projektaktivitäten abzuleiten. 

Zwischen Versuchsküche und Verordnung – Reallabore im Fokus

Der Fokus lag unter anderem auf der Umsetzung von Reallaboren. Diese ermöglichen zeitlich befristete Testumgebungen unter behördlicher Begleitung und dienen dazu, Verfahren und Produkte unter realitätsnahen Bedingungen weiterzuentwickeln. Angesichts der laufenden europäischen Gesetzgebungsprozesse im Bereich der Biotechnologie und Lebensmittelsicherheit ist die Diskussion über deren potenziellen Einsatz für Novel Food-Fragestellungen von hoher Bedeutung.

Innovationen im Praxistest

Die Clusterveranstaltung hat gezeigt, dass Reallabore ein potenziell geeignetes Instrument sein können, um Innovationsprozesse im Bereich neuartiger Lebensmittel strukturiert zu begleiten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass deren regulatorische Einbindung sorgfältig geprüft werden muss, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen europäischen Debatten. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die weitere Arbeit von PIONEER ein, sie dienen als Grundlage für die Entwicklung möglicher Use Cases.

Über PIONEER

Für die Durchführung der Vernetzungs- und Transfermaßnahme „PIONEER“ wurde die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.), die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAWH) und die Food-Processing Initiative e.V. (FPI) durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) beauftragt. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).

Ansprechpartner

Marvin Anker:  +49 (0)69 24788-333 , pioneer(at)dlg.org